american flag waving blue sky

In der Außenhandelspolitik der USA weht ein neuer Wind: America First. Handelt es sich dabei um eine Neuauflage jenes Protektionismus, den wir schon andernorts auf der Welt gesehen haben, oder ist hier die Sache komplexer? Und was wird diese neue Politik für den Welthandel und für europäische Unternehmen bedeuten, die mit den USA Handel treiben? Werden die Auswirkungen für die USA und Europa negativ oder positiv sein? Unabhängig davon, wie diese Fragen zu beantworten sind, scheint es an der Zeit, sich auf beide Szenarien vorzubereiten.

 

 

Die Außenhandelspolitik der USA befindet sich im Wandel, doch wie weitreichend werden die Folgen sein?

Täglich haben die europäischen Medien Neues von der Regierung Trump zu berichten. Viele der frühen Initiativen der neuen Regierung betreffen die amerikanische Außenhandelspolitik als Teil des übergreifenden Konzepts „Making America great again.“ Präsident Trump hat im Wahlkampf – und nun im Amt – immer wieder betont, dass er die Handelspolitik zum Schutz des amerikanischen Binnenmarkts und als Jobmaschine nutzen werde. Während der Protektionismus weltweit zunimmt, haben diese Aussagen natürlich in vielen Ländern und Unternehmen, die mit den USA Handel treiben, für Unruhe gesorgt, auch in Europa. Die europäischen Länder sind große Handelspartner der USA. Deutschland zum Beispiel ist der fünftgrößte Handelspartner der Amerikaner, und auch Großbritannien (7.), Frankreich (8.), Italien (11.), die Niederlande (13.) und Belgien (17.) finden sich hoch oben auf der Liste wieder. Auch für die nordischen Länder und Unternehmen stellen die USA einen enorm wichtigen Handelsmarkt dar, und für weltweit annähernd 60 Länder sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Handelspartner.

Beschränkten sich frühere Aussagen Trumps nach seiner Wahl zum Präsidenten noch auf Kritik an regionalen und multilateralen Handelsabkommen wie dem North American Free-Trade Agreement (NAFTA) und der Trans-Pacific Partnership (TPP), so gab es in letzter Zeit Statements, die zeigen, dass eine weitreichendere Strategie dahinter steckt, als bislang angenommen. Infolge des ersten Präsidialerlasses von Donald Trump haben die USA bereits die TPP-Verhandlungen verlassen. Das lässt nichts Gutes ahnen, was die Zukunft der Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) und die Gespräche darüber betrifft. Es gibt also sicherlich allen Grund, sich zu fragen, welche Auswirkungen dies auf die 20 Länder haben wird, die heute ein Freihandelsabkommen mit den USA verbindet – und auf jene Länder, die sich solche Abkommen für die Zukunft erhoffen.

Kürzlich erst hat der neue Präsident gedroht, Strafzölle von 45 Prozent auf chinesische Produkte einzuführen, und es gibt weitere Beispiele, die in die gleiche Richtung zielen. Der Präsidialerlass zum Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko wird Kosten zwischen 12 und 38 Milliarden US-Dollar verursachen, die nach einem Vorschlag der neuen Regierung durch Strafzölle in Höhe von 20 Prozent auf mexikanische Importe finanziert werden sollen.

Neue Handelspolitik als Eckpfeiler der allgemeinen neuen Finanzpolitik

Angesichts dieser Aussagen und Vorhaben gibt es allen Grund anzunehmen, dass der Wandel in der Handelspolitik einen Eckpfeiler einer neu ausgerichteten Finanzpolitik der Regierung Trump darstellt. Kollegen in US-Behörden wissen zu berichten, dass neue Maßnahmen, die den Aussagen und Anweisungen aus dem Weißen Haus entsprechen, bereits in Arbeit sind. Die aktuelle Debatte über eine Verschärfung des Einwanderungsrechts, die durch den Präsidialerlass zur Begrenzung der Einwanderung und Non-Immigration-Visa neuen Auftrieb erhalten hat, könnte sich negativ auf das Tagesgeschäft auswirken. Dies könnte auch für europäische Unternehmen zu einem Problem werden: Aus Ländern, die diesen Weg bereits in der Vergangenheit eingeschlagen haben, weiß man, dass mitunter auch unbescholtene Geschäftsleute Schwierigkeiten bekommen haben, zu Verhandlungen und Vertragsabschlüssen zu reisen.

Die starke Position von Präsident Trump

Viele politische Kommentatoren in aller Welt und in den USA selbst haben darauf hingewiesen, dass die Kontrollmechanismen des amerikanischen politischen Systems die radikaleren Vorschläge des neuen Präsidenten abmildern werden, doch gerade auf dem Gebiet des Handels sind diese Kontrollmechanismen schwach. Amerikanische Experten weisen darauf hin, dass der Präsident de facto die Macht besitzt, weitgehend seine eigene Handelspolitik zu betreiben, zumindest kurzfristig.

Die Konsequenzen für europäische Unternehmen

Wie wahrscheinlich ist es also, dass sich die neue US-amerikanische Handelspolitik auf den europäischen Handel mit den Vereinigten Staaten auswirken wird? Vonseiten der britischen Regierung gab es Hinweise von Außenminister Boris Johnson, dass die beiden Länder schon bald in Verhandlungen über ein neues bilaterales Handelsabkommen treten werden und dass Großbritannien hier „an erster Stelle“ stehen wird. Wie schnell diese Verhandlungen zu einem neuen Handelsabkommen führen werden, steht freilich noch in den Sternen. Und was ein solches Abkommen für die Europäische Union und die übrigen europäischen Länder bedeuten würde, lässt sich unmöglich vorhersagen. Was wir wissen ist nur, dass Handelsgespräche kompliziert sind und sich normalerweise über Jahre hinziehen.

Wird es direkte Auswirkungen für europäische Unternehmen und ihre Geschäfte geben? Das ist sehr wahrscheinlich, da die internationale Lieferkette von heute ein kompliziertes Gebilde darstellt. Veränderungen in den Handelsmustern und an internationalen Handelsdrehscheiben, der E-Commerce und die zunehmende Bedeutung globaler Wertschöpfungsketten, um nur einige Beispiele zu nennen, spielen für den Welthandel eine große Rolle.

Hundertprozentig sicher ist nur, dass wir unsicheren Zeiten entgegen gehen, was den Handel mit den USA betrifft. China hat bereits die Initiative ergriffen und sich als neue Führungsmacht im Freihandel und für Handelsgespräche in Position gebracht, falls die USA an ihrer neuen Politik festhalten sollten, wenngleich dies die Situation womöglich noch heikler macht. Noch komplexer wird die Lage, wenn wir berücksichtigen, wie Handelsriesen wie Kanada und Mexiko agieren und reagieren werden, wenn das NAFTA-Abkommen gekündigt oder neu verhandelt wird. Viele Experten halten es allerdings für wahrscheinlich, dass diese Länder bei einem solchen Szenario als Ausgleich stattdessen ihre Handelsbeziehungen und den Warenaustausch mit Asien und Europa ausbauen würden.

Sicherheit und andere Fragen, die den internationalen Handel beeinflussen

Es lässt sich auch feststellen, dass die Sicherheitsfragen einmal mehr in den Fokus rücken. Die Unsicherheit der heutigen Weltlage, die zunehmende Terrorgefahr, das Wachstum organisierter Verbrechersyndikate und die jüngsten Sicherheitsvorfälle – in Kombination mit einem stetig intensiver werdenden Welthandel – unterstreichen die Notwendigkeit eines raschen und baldigen Paradigmenwechsels hin zu mehr Lieferkettensicherheit.

Ich gehöre dem internationalen Beratergremium des International Summit on Borders an, einer amerikanischen Denkfabrik-Initiative, die im Juni dieses Jahres eine Konferenz in Washington veranstalten wird, bei der es um die zukünftige Sicherheit bei der Bewegung von Menschen und Gütern gehen soll. Ich werde dort eine Podiumsdiskussion zum Thema Frachtsicherheit moderieren. Am Ende der Konferenz werden wir sicherlich mehr wissen über die Trends und Ideen und darüber, wohin die Reise beim Thema Sicherheit in den nächsten Jahren geht.

Entwicklungen verfolgen und verschiedene Möglichkeiten auswerten

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vieles auf einen Wandel in den Handelsbeziehungen mit den USA hindeutet und dass hier in den nächsten Jahren mit zunehmenden Komplikationen zu rechnen ist. Die derzeitige Situation bringt mehr Fragen als Antworten, wie zum Beispiel diese: Wird die neue Linie in der Außenhandelspolitik noch verstärkt? Die meisten Experten scheinen dies zu glauben. Wird diese Politik die beabsichtigten Ziele erreichen? Aus Sicht der USA könnte dies kurzfristig der Fall sein, doch längerfristig ist die Gefahr des Scheiterns vermutlich noch größer. Wird die neue Politik Auswirkungen auf die europäischen Länder haben? Wenn der eingeschlagene Weg beibehalten wird – und Präsident Trump hat bislang umgesetzt, was er als seine ersten Maßnahmen im Amt versprochen hat – dann werden die Auswirkungen und Konsequenzen uns alle betreffen. Ist das ein Problem oder eine Chance? Werden die USA durch Protektionismus isoliert und schrittweise ihre Rolle als führende Handels- und Wirtschaftsmacht in einer zunehmend globalisierten Welt einbüßen? Wird diese neue Politik wirklich dazu führen, Amerika wieder „great“ zu machen? Und wird die Devise „America First“ aufgehen, oder besteht die Gefahr, dass Amerika vielmehr ans Ende abrutscht? Wir können nur abwarten.

Eines ist allerdings sicher: Jedes Unternehmen, das im Import- oder Exportgeschäft mit den USA tätig ist, muss die Entwicklung der nächsten sechs bis zwölf Monate aufmerksam verfolgen. Es empfiehlt sich auch, seine Strategien für den Fall zu überarbeiten, dass die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren zu einem schwierigeren Handelspartner werden.

 

Ein Beitrag von Dr. Lars Karlsson, General Manager, KGH Global Consulting.

Als Handels- und Zollexperten haben wir uns bei KGH entschieden, eine Führungsrolle zu übernehmen, wenn es um Neuigkeiten und Wissen rund um die Außenhandelspolitik der USA in den nächsten vier Jahren geht. Wir werden im Rahmen unseres Global-Reach-Konzepts einen US-Desk einrichten. Dort werden unsere Experten die Entwicklung der US-amerikanischen Außenhandelspolitik ständig aufmerksam verfolgen, um allen unseren Kunden und Klienten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Darüber hinaus haben wir unser Partnernetz in den USA ausgebaut, um unseren Kunden eine optimale Beratung und den bestmöglichen Service bieten zu können.

Bitte zögern Sie nicht, sich mit uns in Verbindung zu setzen, falls Sie Fragen haben, weitere Informationen benötigen oder mit unseren Experten sprechen möchten.

Catharina Olofsson, Consulting Director
catharina.olofsson@kghcustoms.com

Folgen